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Warum dein Nervensystem nicht zur Ruhe kommt – und was das mit deinem Schmerz zu tun hat

Du hast schon viel probiert. Physiotherapie, Schmerzmittel, Spritzen, vielleicht Yoga oder Meditation. Du gibst wirklich alles, und trotzdem ist der Schmerz noch da. Vielleicht sogar genau dann am schlimmsten, wenn du eigentlich Pause machst.

Das kann daran liegen, dass es Muster gibt, die tief in unserem Alltag stecken, oft unsichtbar, oft sogar gesellschaftlich gelobt, die das Nervensystem dauerhaft in einem Alarmzustand halten. Ein Nervensystem im Dauerstress produziert Schmerz.

Ich zeige dir heute einige dieser Denk- oder Verhaltensmuster, die dein Nervensystem daran hindern wieder in die Balance zu finden. Weil echte Veränderung erst dann möglich wird, wenn man versteht, was im Hintergrund eigentlich passiert.

Perfektionismus – wenn „gut genug" sich nie gut genug anfühlt

Viele Frauen, die zu mir kommen, haben eines gemeinsam: Sie funktionieren auf einem bemerkenswert hohen Niveau, trotz Schmerz. Sie erledigen ihren Job, kümmern sich um die Familie, halten den Alltag zusammen. Und wenn sie es mal nicht schaffen, machen sie sich selbst fertig dafür. Viele Frauen haben enorme und unerfüllbare Ansprüche an sich, und das nicht nur in einer Rolle, sondern in diversen: sie wollen die perfekte Mutter, Partnerin, Freundin, Kollegin und Tochter sein.

Ich sage das ohne jeden Vorwurf, weil ich weiß, dass hinter dem Perfektionismus ein Schutzgedanke steckt und ich gleichzeitig selbst auch ein Thema mit dem Perfektionismus habe. Irgendwann hat unser Nervensystem gelernt: Wenn ich alles richtig mache, bin ich sicher. Keine Kritik, keine Ablehnung. In diesem Modus von Sicherheit kommt das System aber niemals wirklich an. Es wartet immer schon auf den nächsten Fehler. War daraus oft noch als Konsequenz hinzukommt ist, dass wir uns mit unserem Perfektionismus meist selber ausbremsen und nicht ins Handeln kommen. Denn weil ich meinen perfekten Ansprüchen eh nicht gerecht werde, versuche ich es gar nicht erst UND es gibt immer etliche Menschen, die es eh viel besser können als ich. Und am Ende ärgern wir uns darüber, dass wir nicht die Dinge tun, die wir uns doch eigentlich so sehr wünschen. Wenn wir uns überhaupt erlauben, diesen Ärger zu fühlen.

Und alles, was der Kopf nicht loslassen kann oder unterdrückt, kommt irgendwann im Körper an.

Der Weg da raus führt nicht über noch mehr Disziplin. Sondern darüber, dem Nervensystem beizubringen, dass du auch dann in Sicherheit bist, wenn etwas nicht perfekt läuft und du okay bist, so wie du bist. Klingt einfach, ist aber eine der tiefgreifendsten Veränderungen, die ich bei Frauen beobachte.

People-Pleasing – wenn alle Bedürfnisse zählen, nur deine nicht

Du sagst Ja, obwohl du Nein meinst. Du machst weiter, obwohl dein Körper längst stoppt signalisiert. Du sorgst für andere, und irgendwie bist du dabei immer als letztes dran. Gerade wir Frauen sind groß darin zu geben und uns selbst für andere aufzuopfern, darin es anderen Recht machen und keine Ansprüche zu stellen, um bloß nicht anzuecken oder einen Konflikt loszulösen.

Wir versuchen über diesen Mechanismus die Kontrolle darüber zu haben, uns in Sicherheit wiegen zu können, akzeptiert zu werden, Anerkennung und Liebe zu bekommen.

Bei Frauen mit chronischen Schmerzen begegnet mir das so häufig, dass es mich jedes Mal aufs Neue trifft.

Aber dein Nervensystem bekommt das mit. Jedes Mal, wenn du dich selbst übergehst, registriert es unterschwellig, dass du nicht sicher genug bist, um ehrlich zu sein. Leiser, unsichtbarer Stress, aber körperlich genauso real wie jeder andere. Dein Nervensystem hat ein Interesse daran, dass auch deine Bedürfnisse befriedigt sind. Jedes falsche Ja zu anderen ist ein Nein zu dir und richtet dein System gegen dich.

Du musst nicht sofort anfangen, überall Grenzen zu setzen. Fang einfach an zu bemerken, wann du dich selbst wegdrückst und deine Bedürfnisse übergehst. Allein das verändert schon etwas. Und dann beginne damit bei Dingen Nein zu sagen, wo es dir einigermaßen leicht fällt. Gehe in die Erfahrung und lerne, dass es vielleicht gar nicht so schlimm ist. Lerne, dass es okay ist, Verantwortung bei anderen zu lassen. Dann gelingt es dir irgendwann auch in schwierigeren Situationen klare Grenzen zu setzen.

Fehlende soziale Anbindung – wenn du dich mit deinem Schmerz allein fühlst

Echte Verbindung zu anderen Menschen ist kein nettes Extra. Dein Nervensystem braucht sie genauso wie Schlaf oder Bewegung. Studien zeigen, dass soziale Isolation das Gehirn auf ähnliche Weise aktiviert wie körperlicher Schmerz. Die Grenzen zwischen "ich fühle mich allein" und "mir tut etwas weh" sind neurobiologisch fließender, als wir lange gedacht haben.

Dabei geht es nicht darum, ob du Menschen um dich herum hast. Sondern darum, ob du dich wirklich gesehen und verstanden fühlst und ob du dich bei ihnen sicher fühlst. Chronischer Schmerz zieht sich oft ins Verborgene, weil er von außen unsichtbar ist und weil man irgendwann aufhört, darüber zu reden. Man will nicht zur Last fallen, will nicht schon wieder dasselbe Thema sein. Also zieht man sich zurück, und das Nervensystem bleibt damit noch ein Stück mehr auf sich allein gestellt.

Verbindung kann in kleinen Momenten entstehen. Ein Gespräch, in dem du wirklich sagst, wie es dir geht, anstatt "gut, danke". Ein Mensch, dem du vertraust und bei dem du nicht funktionieren musst. Eine Gemeinschaft, in der chronischer Schmerz nicht erklärt werden muss, wo du sein kannst wie du wirklich bist. Das sind keine Kleinigkeiten für das Nervensystem. Das sind echte Signale: Ich bin nicht allein. Ich werde gesehen. Ich bin sicher.

Gefühle unterdrücken – der Preis des Funktionierens

Jedes Gefühl gehört zu einem gesunden Leben dazu. Ärger, Traurigkeit, Angst, Scham – sie alle haben einen Wert, auch wenn sie sich unangenehm anfühlen. Ärger zeigt dir, dass eine Grenze überschritten wurde. Traurigkeit signalisiert, dass dir etwas wichtig ist und hilft uns loszulassen. Angst will dich schützen und zeigt dir, wo wachstumspotenzial liegt. Kein Gefühl ist grundsätzlich falsch oder negativ.

Und trotzdem haben viele von uns gelernt, bestimmte Gefühle einfach wegzuschieben. Manchmal weil keine Zeit dafür war, manchmal weil es niemanden gab, der sie aufgefangen hätte, manchmal weil Stärke zeigen irgendwann einfach zur Gewohnheit wurde oder weil sie schlicht nicht erwünscht waren.

Das Problem ist, dass Gefühle, die nicht gefühlt werden, nicht verschwinden. Sie werden im Körper gespeichert, und das autonome Nervensystem hält sie fest, bis sie irgendwo ein Ventil finden. Als Erschöpfung, als Reizbarkeit oder es erzeugt Schmerz.

Ein Bild, das mir dabei immer wieder einfällt: Stell dir vor, du drückst einen Ball unter Wasser. Es kostet enorm viel Kraft, und sobald du loslässt, schießt er mit voller Wucht nach oben. Genau so läuft das mit Emotionen, die wir immer wieder wegdrücken. Und je mehr sich ansammelt, desto anstrengender wird das Halten. Und irgendwann entfernst du dich dadurch von deinem authentischen Selbst, deiner inneren Wahrheit, was auf Dauer zu einem dysfunktionalen Nervensystem führt.

Tauche regelmäßig in die Stille ein und richte die Aufmerksamkeit nach innen. Frage dich: Was spüre ich gerade in meinem Körper? Was ist da? Nicht bewerten, nicht analysieren, nur wahrnehmen und dem Gefühl erlauben, da zu sein.

Bewegungsmangel – Stress, der nirgendwo hin kann

Dein Nervensystem wurde für eine Welt gebaut, in der Bedrohung Bewegung erfordert. Kämpfen oder fliehen, das war der ursprüngliche Plan. Stresshormone wurden durch körperliche Aktivität abgebaut, danach kam das System wieder zur Ruhe.

Heute sieht das anders aus. Wir sitzen im Meeting, während der Chef Druck macht. Wir schlucken die Wut runter, wenn ein Gespräch wieder mal in die falsche Richtung läuft. Wir bleiben still, obwohl uns eine Situation innerlich aufwühlt. Der Stress ist da, der körperliche Ausgleich fehlt. Die Stresshormone bleiben im System, weil sie nirgendwo hin können.

Und ich weiß, dass viele von euch Bewegung meiden, weil ihr Angst habt, den Schmerz zu verschlimmern. Das ist total verständlich, und ich begegne dem wirklich oft. Aber hier ist das Paradoxe daran: genau diese Vermeidung hält das Nervensystem in dem Aktivierungszustand, der den Schmerz erst aufrechterhält. Der Körper interpretiert die Schonung als weiteres Signal: Hier ist etwas gefährlich. Bleib vorsichtig.

Wobei es dabei überhaupt nicht um Sport geht, nicht um Leistung, nicht darum, Grenzen zu überwinden. Sondern um sanfte, regelmäßige Bewegung, die dem Nervensystem ganz einfach signalisiert: die Gefahr ist vorbei. Ich kann loslassen. Ein Spaziergang draußen, leichtes Dehnen am Morgen, Tanzen in der Küche wenn ein Lieblingslied kommt. Das klingt fast zu einfach, ich weiß. Aber für das Nervensystem macht es einen echten Unterschied. Wichtig ist nur, dass du dich nicht durch den Schmerz kämpfst, tue das, was gerade geht.

Dauerbeschäftigung – wenn Stillsein sich gefährlicher anfühlt als der Schmerz selbst

Immer beschäftigt, immer produktiv, immer erreichbar. In unserer Gesellschaft gilt das sogar als Tugend. Denn wer viel leistet, ist wertvoll. Wer Pause macht, muss sie sich erst verdienen. Das ist so tief in uns drin, dass wir es oft gar nicht mehr hinterfragen. Dabei ist dauerhaftes Aktivsein ohne echte Erholung für dein Nervensystem kein Normalzustand, sondern ein Ausnahmezustand.

Der Parasympathikus, also der Teil des Nervensystems, der für Ruhe zuständig ist, ist gleichzeitig der Zustand, in dem Heilung passiert. In dem sich Schmerzsignale regulieren können. Dein Körper kann erst dann wirklich regenerieren, wenn er weiß, dass er es darf. Dieser Zustand braucht echte Stille. Nicht das kurze Durchschnaufen zwischen zwei Terminen, sondern wirkliche Ruhe.

Viele berichten, dass sie im Stillsein erst recht vom Schmerz eingeholt werden. Der Schmerz war die ganze Zeit da. Er hatte nur keine Chance, gehört zu werden. Die Beschäftigung hat ihn übertönt. Was wir außerdem noch überhören sind unsere eigenen Bedürfnisse, wenn unsere Aufmerksamkeit ständig nach außen gerichtet ist. Und wie du schon gelernt hast, bekommt das Nervensystem mit, wenn du dich nicht um deine Bedürfnisse kümmerst.

Pausen sind keine Belohnung, die du dir erst verdienen musst. Klein anfangen reicht vollkommen: 10 Minuten ohne Handy, ohne Input, ohne Aufgabe. Nur atmen und schauen was kommt.

Fazit

Wenn du also das Gefühl hast, du tust eigentlich schon alles Richtige und es ändert sich trotzdem nichts, dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Nicht nach neuen Tools. Sondern nach dem, was dem Nervensystem wirklich Sicherheit signalisiert. Außerdem gibt es 6 häufige und oft absolut menschliche Muster, wie wir auf Schmerzen reagieren. Auch diese können dein Nervensystem dauerhaft ein Gefühl von Gefahr signalisieren, während wir uns dessen überhaupt nicht bewusst sind. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, lade dir gerne mein E-Book hier auf meiner Website herunter.

Genau das ist die Arbeit, die ich in meiner Begleitung mache. Du kannst dir dazu so vorstellen, dass es viele Faktoren gibt, die dein "Schmerzfass" füllen. Ich helfe dir dabei zum einen diese Faktoren zu identifizieren und zu verringern und zum andern, das Fass zu vergrößern und somit deine Resilienz und deine Ressourcen zu stärken.

Wenn du neugierig bist, ob das für dich der nächste sinnvolle Schritt sein könnte, schreib mir gerne oder schau dir unter "Mein Ansatz" an, wie ich arbeite.

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